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Geheimsache Corona (3): Das große Pandemie-Spiel des Lebens

Ferris Wheel

Im Oktober 2019 probten die Mächtigen den Ernstfall: Die Eindämmung eines todbringenden, neuartigen Coronavirus stand auf dem Plan. Man könnte meinen, aus Spiel sei Ernst geworden – doch das wäre wohl ein voreiliger Schluss.

von Dominique Schmidt

Nach seiner Teilnahme am Event 201 verließ der Direktor der chinesischen Seuchenschutzbehörde CDC, George Fu Gao, am Nachmittag des 18. Oktober 2019 das New Yorker Hotel „The Pierre“ und kehrte nach China zurück. Zehn Wochen später, am 30. Dezember 2019, warnte ein Augenarzt aus Wuhan in sozialen Netzwerken vor einer Rückkehr von SARS, woraufhin Gao ein Team in die Stadt schickte. Am nächsten Tag meldeten die chinesischen Behörden 27 Fälle von Lungenentzündungen an die WHO. Am 13. Januar 2020 dann veröffentlichten chinesische Forscher die Gensequenz eines für die Erkrankungen verantwortlich gemachten, bislang unbekannten Coronavirus und noch am selben Tag machte Christian Drosten einen passenden PCR-Test der Öffentlichkeit zugängig. Drosten schickte den Test nach Hongkong, Thailand und Vietnam und nachdem man auch dort fündig geworden war publizierte George Fu Gao am 24. Januar eine Arbeit mit dem Titel „Neuer Coronavirus-Ausbruch von globaler Tragweite”. Am 30. Januar rief die WHO schließlich die gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite aus. Man könnte meinen, aus Spiel sei Ernst geworden – doch das wäre wohl ein voreiliger Schluss.

Sars-CoV-2: Mehr Spiel als Wirklichkeit

Als das Internationale Komitee zur Taxonomie von Viren (ICTV) am 11. Februar den Namen Sars-CoV-2 für das neue Virus vorschlug, sorgte das unter Virologen für Widerspruch: Er führe in die Irre, da er eine Ähnlichkeit mit dem SARS-Virus suggeriere, die weder biologisch und epidemiologisch noch hinsichtlich der klinischen Symptome bestünde. Der Name trage so dazu bei, die Panik vor einer Rückkehr von SARS zu schüren – passenderer wäre daher die Bezeichnung Humaner Coronavirus 2019 (HCoV-19). Die Sorge war nicht unbegründet, hatte doch schon zu Beginn der Pandemie die falsche Warnung vor einer Rückkehr von SARS Eingang in die Schlagzeilen der Weltpresse gefunden. Doch die Mahnung der Virologen drang nicht durch und die Befürchtung bewahrheitete sich. Von nun an dachte die Welt unweigerlich an das schwere akute respiratorische Syndrom SARS mit zehnprozentiger Fallsterblichkeit, statt an einen der Grippale Infekte auslösenden humanen Coronaviren. Dem todbringenden CAPS-Virus aus dem Spiel kam man damit aber näher als dem Virus aus dem echten Leben.

Es ist nicht das erste Mal, dass man den Eindruck gewinnt, die Parameter des Planspiels hätten den klaren Blick für die Fakten getrübt. So wusste George Fu Gao schon bei Bekanntgabe des neuen Virus durch die WHO am 9. Januar zur Frage des Ursprungs zu berichten, das Virus sei auf einem Markt in Wuhan vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Die WHO bekräftigte diese Aussage mit dem Hinweis, es gäbe keinen klaren Beweis für eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch. Die Behauptungen waren jedoch aus der der Luft gegriffen – weder bestand bei allen Erkrankten eine Verbindung zum Markt noch konnte eine Genomanalyse bei auf dem Markt gehandelten Tieren eine Verbindung zum neu entdeckten Virus feststellen. Ganz im Gegenteil machten Forscher darauf aufmerksam, dass die Befunde nicht für einen kürzlich stattgefundenen Übersprung sprächen, sondern dieser wohl eher vor Jahrzehnten stattgefunden haben müsse. Im Übrigen ließe sich eine direkte Abstammung schon allein deshalb nicht nachweisen, da Viren sich laufend und in großer Geschwindigkeit änderten. Die bislang sequenzierten Sars-CoV-2-Viren seien nur ein extrem kleiner Ausschnitt der in der Natur vorkommenden Coronaviren, von denen die meisten unbekannt seien, da man sie bislang nicht beobachtet habe. Dass man nun überall auf der Welt das Virus fände, belege keineswegs die Ausbreitung eines für den Menschen neuen Virus, sondern zeige lediglich, dass bzw. wo man zu suchen begonnen habe.

Gescheiterte Prämisse – die Zoonose

Die kürzlich stattgefundene Zoonose – also der Übergang eines Virus vom Tier auf den Menschen – ist die notwendige Bedingung für fehlende Immunität und damit für die Gefährlichkeit des CAPS-Virus im Planspiel. In der Realität muss sie wohl als widerlegt gelten. Dass das Virus nicht so neu ist, dass der Mensch über keinerlei Immunabwehr dagegen verfügte, darauf deutete schon früh die überwältigende Mehrheit von Infizierten hin, die keine oder nur sehr milde Symptome zeigte. Neuere Studien kommen denn auch zu dem Schluss, dass bis zu 81 Prozent der Infizierten über eine Kreuzimmunität aufgrund der Infektion mit anderen Coronaviren verfügen – ein Umstand, den selbst Corona-Papst Christian Drosten zögerlich anerkennen musste. Das reale Sars-CoV-2-Virus verliert damit aber seinen Schrecken. Doch die WHO ignorierte die strukturellen Ähnlichkeiten von Sars-CoV-2 mit gängigen Erkältungsviren geflissentlich – stattdessen rief sie am 11. März die Pandemie aus, nachdem man mit dem Drosten-Test weltweit auf die Suche nach dem Virus gegangen und fündig geworden war.

Das Virus des Planspiels erfordert drastische Maßnahmen. Das Sars-CoV-2-Virus kann dafür nicht herhalten. Dennoch folgten die Regierenden mit Lockdowns und Ausgangssperren strikt dem am 18. Oktober geprobten Szenario – das Netzwerk der Global Governance lieferte dazu die Rechtfertigungsgründe. So veröffentlichte das Imperial College London unter Leitung des britischen Epidemiologen Neil Ferguson am 16. März 2020 ein Modell zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie in England und den USA. Ferguson prophezeite eine halbe Million Tote in Großbritannien und 2,2 Millionen Tote in den USA, würde sich das Virus unbeschränkt ausbreiten – mit restriktiven Maßnahmen ließe sich die Zahl in Großbritannien auf 20.000 reduzieren. Der britische Premier Boris Johnson nahm das zum Anlass, seinen bis dahin vergleichsweise moderaten Kurs aufzugeben. Doch das Imperial College legte nach: Für elf weitere europäische Länder kam es zu dem Schluss, die Lockdown-Maßnahmen hätten dramatische Todeszahlen verhindert. Allein in Deutschland wären bis Mai 2020 mehr als eine halbe Million Menschen gestorben – eine These, die sogar Christian Drosten allzu steil erschien. Selbstredend erwiesen sich die Annahmen denn auch als haltlos, Fergusons Modell als unzuverlässig und voller systematischer Fehler. Was er vom eigenen Modell hielt, möge ein jeder selbst beurteilen – Ferguson musste als Regierungsberater seinen Hut nehmen, nachdem der Telegraph ihn dabei ertappt hatte, wie er für einen Besuch bei seiner Geliebten gegen die mit seinem Modell begründeten Ausgangsbeschränkungen verstieß.

Wenn Gesunde krank machen – die Mär von der asymptomatischen Übertragung

Der Fall Ferguson macht einmal mehr deutlich: Immer dort, wo die Wissenschaft eng mit der Politik verflochten ist, produziert sie die Parameter des Planspiels. Wer die Modellstudien des Imperial College betrachtet könnte denn auch den Eindruck gewinnen, das Spiel sei immer noch im Gange – lediglich das Spielfeld wurde um die reale Welt erweitert. Wo aber die Wissenschaft frei agieren kann, da stellt sie die Vorgaben des Planspiels auf eine harte Probe. So auch bei der Frage der Infektiosität asymptomatisch Erkrankter, einer weiteren Bedingung für die Bedrohlichkeit des CAPS-Virus im Event 201. Der Realität hält auch diese Annahme nicht stand. Denn Infektiosität setzt nicht nur das Vorhandensein eines aktiven, infektiösen Virus voraus, was bei PCR-Test-Positiven aber gerade nicht der Fall sein muss. Notwendig ist auch das Ausscheiden von größeren Mengen des Virus, wie es bei Atemwegsinfektionen durch Husten und Niesen geschieht. Ohne Symptome ist eine Ansteckung über die Atemluft daher äußerst unwahrscheinlich. Die WHO weiß das natürlich. So erklärte die Epidemiologin Maria van Kerkhove, ihres Zeichens technische Leiterin für Covid19 bei der WHO, während einer Pressekonferenz am 8. Juni der versammelten Weltpresse, die Übertragung durch Symptomlose sei vernachlässigbar. In den aus unterschiedlichen Ländern bekannten Fällen, in denen asymptomatisch Infizierte nachverfolgt wurden, fände man gar keine bis sehr wenige Fälle, in denen eine Übertragung stattgefunden haben könnte. Die vorhandenen Studien legten denselben Schluss nahe, weshalb man gut daran täte, sich auf symptomatisch Erkrankte zu konzentrieren: „Anhand der Daten die wir haben scheint es sehr selten zu sein, dass ein asymptomatisch Erkrankter tatsächlich einen anderen ansteckt.“

Die Aussagen van Kerkhoves sorgten unter Kritikern für Aufsehen, führten sie doch Maßnahmen wie Lockdown, Social Distancing und Maskenpflicht ad absurdum. Wenn nur Kranke krank machen, warum dann vor Gesunden schützen? Umgehend stellten die Faktenchecker klar, die WHO habe keineswegs die Übertragung ausgeschlossen, selbstredend sei sie möglich. Aber natürlich ist van Kerkhove nicht die WHO und natürlich hat sie auch nicht den per Faktencheck widerlegten Schluss gezogen. Van Kerkhove hat vielmehr geschlussfolgert, was der gesunde Menschenverstand nahelegt – nämlich, dass eine Übertragung durch Symptomlose so selten ist, dass man sie nicht weiter beachten muss. Entsprechend erklärte die Epidemiologin noch am selben Tag: „Ich sagte nicht, dass asymptomatische Fälle nicht übertragen können. Die Frage ist, tun sie es und falls ja, wie oft kommt es vor?“ Und hier legen die Daten eben nahe, dass eine Übertragung sehr unwahrscheinlich ist. Die Leitmedien interessierte das nicht, sie ignorierten die wegweisende Aussage nahezu geschlossen. Wo die Nachricht dennoch Eingang in die Berichterstattung fand, da wurde sie in ihr Gegenteil verkehrt. Mission erfüllt – Erzählung gerettet. Was nicht passt, darf nun einmal nicht sein.

Der Vorfall ist ein Musterbeispiel für die Kakophonie aus offizieller Erzählung und wissenschaftlicher Erkenntnis, die während der Corona-Pandemie so oft zu beobachten ist. Die Dissonanz von Spiel und Wirklichkeit ist allgegenwärtig – doch die Partitur ist geschrieben, wissenschaftliche Fakten können daran nichts ändern. Den Medien kommt die Aufgabe zu, die Missklänge zu glätten.

Im so erzeugten Gleichklang entziehen sich aber selbst banalste Einsichten der Erkenntnis. Etwa, dass auch das CAPS-Virus des Planspiels erst durch fehlende Immunität und asymptomatische Übertragung bedrohlich wird.

Wo diese Bedingungen nicht vorliegen, ist es nicht gefährlicher als das Sars-CoV-2-Virus – oder jedes andere gewöhnliche Coronavirus.

Geheimsache Corona

Teil 1: Wie RKI und Regierende die Fakten vor uns verbergen

Teil 2: Die Konsensfabrik – Macher der Öffentlichen Meinung

Teil 3: Das große Pandemie-Spiel des Lebens

Teil 4: Geschenke des Himmels – die zivile Wissensgesellschaft (erscheint in Kürze)

Foto: wildwise studio – Ferris wheel / flickr / CC BY-ND 2.0

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